Wird Flößerei zum Weltkulturerbe?

Altes Handwerk der Flößerei bewahren

Ende März 2021 wurde ein gemeinsamer Vorschlag von Deutschland, Lettland. Österreich, Polen, Spanien und Tschechien bei der Unesco in Paris eingereicht, die Flößerei für die internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes zu nominieren. Der zuständige Ausschuss der UN-Organisation entscheidet voraussichtlich Ende 2022 über die Anträge.

Wird die Flößerei als Weltkulturerbe anerkannt? Frank Thiel wäre begeistert. Er ist Flößer aus Leidenschaft. Foto: Jürgen Haase
Wird die Flößerei als Weltkulturerbe anerkannt? Frank Thiel wäre begeistert. Er ist Flößer aus Leidenschaft. Foto: Jürgen Haase

Zerbst (red). „Ich freue mich, dass die Unesco nun bald über die besondere Bedeutung der Flößerei entscheiden wird“, erklärte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission Maria Böhmer. „Dieses jahrhundertealte Handwerk hat unsere Gesellschaft geprägt. In ihm spiegelt sich unsere Wirtschaftsgeschichte. Denn ohne die Versorgung mit Floßholz wäre die Entwicklung vieler europäischer Städte nicht denkbar gewesen“, erläutert Böhmer. Der Magdeburger Frank Thiel, 2. Vorsitzender der Deutschen Flößerei-Vereinigung, meinte dazu: „Wir freuen uns sehr über diese Nominierung. Damit werden die jahrelangen Bemühungen auch der Flößervereine in Deutschland um den Erhalt und die Weiterentwicklung dieses alten Handwerks gewürdigt. Wir hier an der Elbe leisten unseren Beitrag dazu, dass in der Region verlorenes Wissen wiederentdeckt, bewahrt und weitergegeben wird.“

Flößerei: Jahrhunderte alte Handwerkskunst immer noch lebendig

Thiel, der auch Beisitzer im Vorstand der Internationalen Flößerei-Vereinigung sowie Vorsitzender des Fördervereins Elsterfloßgraben im südlichen Sachsen-Anhalt ist, war von Anfang an als Vertreter der deutschen Flößervereine in der multinationalen Arbeitsgruppe tätig, die mit Vertretern von Flößervereinen, Unesco-Kommissionen und Kulturministerien aus Deutschland, Tschechien, Österreich, Polen, Lettland und Spanien seit fast drei Jahren an der gemeinsamen Nominierung arbeitete. In den Unterlagen wurde nachgewiesen, wie das immaterielle Kulturerbe Flößerei als lebendiges Handwerk weiterentwickelt und an die nächsten Generationen weitergegeben werden soll. Erbracht wurden Nachweise und Erläuterungen, was die Flößer-Vereine in den einzelnen Ländern künftig tun werden, um die Flößerei öffentlich bekannt zu machen, das traditionelle Handwerk als Kulturerbe zu schützen und vor Ort identitätsstiftend in den Regionen zu wirken.

Die Flößerei ist eine alte Handwerkskunst, die jahrhundertelang den Transport von Holz und Gütern auf dem Wasserweg ermöglichte. Seine Hochkonjunktur erlebte das Handwerk in Deutschland und anderen europäischen Ländern zwischen dem Mittelalter und dem 20. Jahrhundert. In diesem Zeitraum war Holz vor allem als Brenn- und Baustoff gefragt. Geflößt werden konnte auf nahezu allen Gewässern, auf kleinen Bächen ebenso wie auf großen Flüssen.

Die Flößerei auf der Elbe war seit dem frühen Mittelalter bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts zur Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz sowie mit Nutzholz für Handwerk und Wirtschaft von großer Bedeutung. Im „hölzernen Zeitalter“ waren die Gewässer die wichtigsten Transportsysteme, so auch die Elbe von Böhmen bis Hamburg. Flößer und Flöße gehörten zum alltäglichen Anblick an den Flüssen. Diesen Teil der Geschichte als Immaterielles Kulturerbe „Flößerei“ lebendig im Bewusstsein der Menschen zu erhalten, das alte Handwerk zu pflegen und zu dokumentieren, ist Anliegen von vielen Flößervereinigungen in ganz Deutschland und Europa.

Thiel stellt fest, „die Flößerei auf der Elbe ist in Magdeburg und Umgebung relativ wenigen Einwohnerinnen und Einwohner bekannt. Zeugnisse aus der Vergangenheit sind beispielsweise als Floßholzspuren im Dachgebälk des Magdeburger Doms zu finden. Ebenso ist bekannt, dass neben Bauholz geflößtes Holz auch als Brennstoff für die Salzgewinnung in Schönebeck oder als Heizmaterial verwendet wurde. Wir wollen die Pflege dieses alten Handwerks wiederbeleben und zugleich weiterentwickeln. Ohne große Holztransporte auf der Elbe wäre die industrielle Entwicklung der Stadt Magdeburg im beginnenden Maschinenzeitalter undenkbar. In der Fachsprache der Flößer ist der Begriff „Magdeburger Böden“ weithin als Bautyp eines Floßes bekannt. Wir sind uns sicher, eines Tages werden von Schönebeck aus richtige Flöße erneut auf der Elbe durch Magdeburg fahren.“

Damit sollen auch Projekte, die für die Kulturhauptstadtbewerbung Magdeburgs 2025 vorgesehen waren, verwirklicht werden. Wenn es die Corona-Bedingungen wieder zulassen, sollen regelmäßig öffentliche Flößerwanderung zu authentischen Orten durchgeführt werden, am Elbufer entlang zwischen Lukasklause/Otto-von-Guericke-Museum, Dom/Fürstenwall und ehemaligen Sülzehafen beim Mückenwirt. Unterwegs sind mehrere Informations- und Aktionspunkte zum Thema Flößerei vorgesehen. Dazu soll eine Informationsbroschüre zur Flößerei auf der Elbe in Magdeburg und Umgebung, speziell zur Geschichte und auch zu Vorhaben in der Zukunft, erstellt werden. Auch Vorträge und Vorlesungen gehören zum Programm, um Vergessenes wieder ins Bewusstsein zu rücken. Geplant sind in der Zukunft auch der öffentliche Bau eines Floßes als „Magdeburger Boden“, eine Fahrt auf der Elbe, der Bau eines dauerhaft sichtbaren Modells sowie die Einbindung in die Vorhaben zur Industriekultur Magdeburgs bzw. der touristischen Entwicklung am Elberadweg. Dazu soll auch der Kontakt zu Flößerinnen und Flößern in Mitteldeutschland und Brandenburg gesucht werden. Bereits jetzt gibt es eine Gruppe von Enthusiasten in Dresden, die Floßfahrten von Bad Schandau bis Mühlberg in Sachsen organisieren.

In Mitteldeutschland arbeiten derzeit vier Vereine sehr aktiv, zwei in Thüringen an Saale und Werra, je einer in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Trotz der räumlichen Trennung gibt es Gemeinsamkeiten, die nicht nur in der Flößerei liegen, sondern vor allem in der gemeinsamen Geschichte. Über die Saale wurden mitteldeutsche Städte, vor allem Halle mit Brenn- und Bauholz versorgt, über die sogenannte Weißelster-Flöße, die bedeutendste Energiepipeline der Neuzeit, wurden aus dem vogtländischen Muldenberg über Weiße Elster das Elsterfloßgrabensystem und die Saale ebenfalls Halle (Salinen) und vor allem Leipzig mit Scheitholz und kleinen Baumstämmen versorgt. Der Muldenberger Floßgraben und der Elsterfloßgraben sind technische Denkmäler der Wasserbaukunst. Der Elsterfloßgraben ist das noch längste erhaltene Floßgrabensystem auf der Welt. Frank Thiel meinte weiterhin, mit der Nominierung der Flößerei könnte bald neben den fünf Weltkulturerbestätten erstmalig auch ein Immaterielles Kulturerbe der Menschheit in Sachsen-Anhalt präsent sein.

Alle kommenden Veranstaltungen zur Flößerei auch in der Magdeburger Region werden im Zeichen des laufenden Nominierungsprozesses stehen, damit sich der zuständige Bewertungsausschusses der Unesco ein umfassendes Bild über unseren Umgang mit diesem Kulturerbe machen kann.

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