Museumswohnung zieht ins Allee-Center

Kultureinrichtungen und Museen geschlossen, Galerien und Gaststätten dicht. Der Lockdown trifft auch die Museumswohnung des MWG-Nachbarschaftsvereins - ausgerechnet 30 Jahre nach der Wiedervereinigung. Das Jubiläum wollte der Verein für besondere Aktionen und Veranstaltungen  nutzen. Doch bis auf die Sommerfete mit Wolfgang Ziegler musste alles abgesagt werden.

Auf die Details kommt es an, im Schrank platziert MWG-Mitarbeiterin  Anna Maria Brandenburg eine Matroschka. Foto: Citypress
Auf die Details kommt es an, im Schrank platziert MWG-Mitarbeiterin Anna Maria Brandenburg eine Matroschka. Foto: Citypress

Magdeburg (red). Dank der Unterstützung von Allee-Center-Managerin Petra Kann kann nun zumindest die traditionelle Adventsausstellung „Weihnachten wie früher“ stattfinden – und zwar durch einen Umzug mitten in die Ladenstraße. Im Basement ist bis zum Jahresende ein typisches Wohnzimmer aus den 1970er Jahren aufgebaut worden, in dem Besucher vieles von früher wiederentdecken können: Lauschaer Adventsschmuck, Narva-Lichterketten, Holzfiguren aus dem Erzgebirge, gebügeltes Lametta, Rft-Fernseher, Röhrenradio von Dominante, Piko-Modelleisenbahnanlage, Amiga-Schallplatten und und und. Auf dem Weihnachtsteller aus Pappe sind unter anderem Dominosteine, Dresdner Stolle, Schlager-Süßtafel oder Weihnachtskonfekt aus Wernigerode zu entdecken.

 

Centermanagerin Petra Kann und MWG-Vorstand Thomas Fischbeck weihte am Montag die kleine Ausstellung ein. Foto: Citypress

 

Im Original-Ambiente kehrt sie noch einmal zurück - die (fast) vergessene DDR-Adventsstimmung. Wenn sich zum Beispiel auf dem Plattenteller die Amiga-Scheibe Frank Schöbels „Weihnachten in Familie“ dreht, wenn auf der Eisenbahnplatte der Trabant aus Plastik vor der TT-Dampflok stoppt. Im Zeitungsständer aus Bast eine Ausgabe der „NBI“ und ein zerfleddertes „Neues Deutschland“, im Bücherregal „Weltall, Erde, Mensch“ und an der Wand Walter Womackas Gemälde „Am Strand“ und „Peter im Tierpark“ von Harald Hakenbeck. In der Ecke eine Stehlampe aus der Konsumgüterproduktion und vier original mit Malimo-Mode und Burger Schuhwerk bekleidete Schaufensterpuppen. Es sind die vielen Details, die mit schönen Erinnerungen an eigene Kindheitstage berühren. Selbstgedrechselte Kerzenständer, eine Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge und der Schwibbogen, den Opa mit der Laubsäge selbst ausgesägt hat, verstärken die Erinnerungen. Beim Blick in die Wohnzimmer der 70er Jahre wird auch deutlich: So bunt, schrill und zuweilen überbordend wie heute sah die Festtagsdeko früher nicht aus. Lametta wurde nach dem Fest aufgebügelt, um es wieder zu verwenden. Weihnachtskugeln waren Schätze und wurden wie Goldstaub gehütet, die sündhaft teure Weihnachtspyramide war ein Erbstück.

 

Die Weihnachtspyramide war zu DDR-Zeiten sehr beliebt, der Samtkuchen Geschmackssache. Foto): Citypress


Der MWG-Nachbarschaftsverein nutzt die Möglichkeit der Ausstellung im Allee-Center auch für Werbung in eigener Sache, denn ab Februar 2021 – so hofft man – kann die Museumswohnung in der Hohepfortestraße 61 wieder öffnen. Gemeinsam mit Centermanagerin Petra Kann weihte MWG-Vorstand Thomas Fischbeck am Montag die kleine Ausstellung ein: „Als 1954 gegründete Genossenschaft erinnern wir gern an unsere Wurzeln und den Alltag unserer Gründerväter.

Wir danken dem Allee-Center sehr herzlich dafür, dass es uns für die Aktion einen Platz in der Ladenstraße eingeräumt hat.“ Allee-Center-Managerin Petra Kann freut sich ebenfalls über die ungewöhnliche Ausstellung im Haus: „Normalerweise gibt es bei uns ja immer die neuesten Trends zu bestaunen. Diesmal möchten wir mit dem Blick zurück begeistern. Damit unterstützen wir einerseits den Nachbarschaftsverein und die MWG, die ja ihre Museumswohnung gerade nicht öffnen dürfen. Zum anderen zaubern wir vielleicht vielen Menschen ein Lächeln in schweren Zeiten ins Gesicht. Diese liebevoll gestaltete Weihnachtsstube aus DDR-Zeiten wird sicher viele Besucher an schöne und unbeschwerte Kindheitstage erinnern.“

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