Ausstellung in der Bibliothek ist noch bis Oktober zu besuchen

„1. Häufiges Lüften. - 2. Die Wohnung sauber halten. - 3. Körperhygiene. 4. Den Kontakt zu Kranken meiden…“ Diese Empfehlungen – sprachlich modernisiert – stammen nicht etwa aus den Handlungsrichtlinien des Robert-Koch-Instituts für die aktuelle Corona-Krise, sondern aus einem Büchlein wie man sich zu Zeiten einer Pestepidemie im 16. Jahrhundert in der Stadt Magdeburg verhalten soll. 

Bücher über die Pest können auf Schloss Hundisburg besichtigt werden. Foto: Dr.-Ing. Harald Blanke
Bücher über die Pest können auf Schloss Hundisburg besichtigt werden. Foto: Dr.-Ing. Harald Blanke

Hundisburg (pm). Dieses Büchlein („Kurtzer Nützlicher und nötiger Bericht …“, Nr. 9) – ist zuerst 1565 aus gegebenem Anlass erschienen und wurde bis Anfang des 17. Jahrhunderts immer wieder neu aufgelegt. Viele der menschlichen Verhaltensweisen in der aktuellen Corona-Krise finden sich auch im Verhalten der Menschen zu Zeiten der furchtbaren Pestwellen des 14. bis 19. Jahrhunderts.

Aberglaube, Fake-News, Hilflosigkeit, Geschäftemacher, die Suche nach Schuldigen … alles Phänomene, die keineswegs neu sind. Freilich sollten diese Parallelen nicht über die fundamentalen Unterschiede hinwegtäuschen. Die Ursachen der verheerenden Seuchen waren bis ins 19. Jahrhundert unbekannt und so blieb nichts über, als sich mit einigen hygienischen Empfehlungen und ebenso waghalsigen wie wirkungslosen Therapien zu behelfen. Allerdings waren nicht alle vorbeugenden und bekämpfenden Maßnahmen wirkungslos: die Möglichkeit der Ansteckung war durchaus bekannt, so dass Quarantäne, die Verbrennung der Kleidung Infizierter und sonstige hygienische Maßnahmen durchaus Wirkung zeigten. Dennoch: bei den in kurzem Abstand auftretenden Pestwellen, die Sterberaten bis zu hundert Prozent (!) bei Lungenpest aufweisen konnten, war die Not von einer heute kaum vorstellbaren Größe und Gewalt und es ist daher kein Wunder, dass das noch junge Medium des Buchdrucks sofort genutzt wurde, um Verhaltensregeln und vermeintliche Heilmittel zu propagieren. So gehen die Schriften zur Medizin und insbesondere zur Pest schon in dieser Zeit in die tausende und sie nehmen auch in der Alvenslebenschen Bibliothek einen wichtigen Platz ein.

Die Alvenslebensche Bibliothek versammelt in sich das Wissen der Zeit um 1600. Die aktuell ausgestellten Bücher bieten am prominenten Beispiel der Pest einen Einblick in die Frühzeit der modernen Medizin. Keineswegs sind schon alle Autoren Ärzte, und sind sie es doch, so trennt der Blick zurück die ernsthaft um die Entwicklung ihrer Profession bemühten Kapazitäten ihrer Zeit von Scharlatanen und Quacksalbern, die sich trotz ihrer fragwürdigen Methoden großen Zulaufs erfreuten und deren Werke schon einmal in mehreren Auflagen erscheinen konnten. Die Bibliothek spiegelt in faszinierender Weise die einzelnen Aspekte der zeitgenössischen Medizingeschichte. Gleichzeitig lassen alle ausgestellten Werke auch und gerade die vergleichsweise Hilflosigkeit der damaligen Menschen gegenüber den grassierenden Krankheiten erkennen, die der Fortschritt inzwischen, vierhundert Jahre später, größtenteils erfolgreich bekämpfen kann.

Die aktuelle Ausstellung der Pestbücher im Schauraum der Alvenslebenschen Bibliothek ist sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr bis zum 18 Oktober geöffnet. Kontakt Schloss- und Gartenverwaltung: Tel. 03904/44265, info@schloss-hundisburg.de