Nach dem Brand steht Ströbeck vor einem Rätsel

Als in Folge des Brandes vor einem Jahr im Schachmuseum Ströbeck die Räume in dem Gebäude Am Platz des Schachspiels geräumt werden mussten, wurde im Archivraum eine in sich gerollte Fahne entdeckt. Vermutlich stand sie dort unberührt seit dem Umzug aus dem alten Schachmuseum.

Die Restauratorinnen Christine Supianek-Chassay und Andrea Knüpfer stellen Friederike Hausmann, Ortsbürgermeister Jens Müller sowie Gudrun Ühre und Renate Martens vom Schachverein (von links) ihre Untersuchungsergebnisse vor. Fotos: Gerald Eggert
Die Restauratorinnen Christine Supianek-Chassay und Andrea Knüpfer stellen Friederike Hausmann, Ortsbürgermeister Jens Müller sowie Gudrun Ühre und Renate Martens vom Schachverein (von links) ihre Untersuchungsergebnisse vor. Fotos: Gerald Eggert

Ströbeck (geg). Da dieser Raum durch den Brand keinen Schaden genommen hatte, griff für die dort gelagerten Gegenstände die Kulturgutversicherung nicht so wie bei allen durch den Brand beschädigten oder verschmutzten wertvollen Kulturgütern. Beschädigt war diese Fahne allerdings stark, wie Andrea Knüpfer bereits bei der Auffindung feststellte. „Als die um eine Fahnenstange gewickelte Fahne langsam hervorgeholt wurde, rieselten feine Stoffstücke aus der Umhüllung“, berichtet die Hallenser Restauratorin, „deshalb wurde sie nicht ausgewickelt, sondern abtransportiert und geschützt gelagert, danach gesichtet und der Zustand fotodokumentiert“. Sie und Christine Supianek-Chassay, eine Restauratorin aus Erfurt, gehen davon aus, dass die Schäden, die bei der Untersuchung festgestellt wurden, schon seit Jahren bestanden und sich stetig verschlimmert hätten. Und sie gehen davon aus, dass der Erhaltungszustand während der Lagerung höchstwahrscheinlich nie überprüft worden ist. Diese erste Einschätzung gaben die beiden Expertinnen jetzt vor einem kleinen Gremium, bestehend aus Ströbecks Ortsbürgermeister Jens Müller (SPD), Renate Martens, stellvertretende Vorsitzende des Schachvereins Ströbeck, und dessen 1. Kassenwartin Gudrun Ühre sowie der Sammlungsmitarbeiterin im Schachmuseum, Friederike Hausmann.

Im Obergeschoss der Museumsscheune des Schraube-Museums liegt das begutachtete etwa 150x150 cm große Fahnentuch ausgebreitet auf dem Arbeitstisch. Zu erkennen ist jene Seite, die von einem Schachbrett als Applikation dominiert wird. Der verblasste blaue Seidenstoff des Fahnenblattes ist arg zerschlissen. Außerdem sind schon länger zurück liegende Ausbesserungen im Randbereich auszumachen. Über dem aus schmalen schwarzen und weißen Stoffstreifen geflochtenen Schachbrett breitet ein schwarzer gekrönter Adler seine Flügel aus. Rechts neben dem Spielfeld befindet sich eine schwarze Schachfigur, das auf der gegenüberliegenden Seite weiße Pendant ist auf Grund der sehr starken Gewebeschäden nicht mal mehr zu erahnen. Was den Adler betrifft, so könnte es sein, dass sich dessen Körper hinter dem nachträglich aufgenähten Schachbrett fortsetzt und der Vogel möglicherweise ein kleineres Schachbrett in seinen Krallen hält. Das konnte allerdings bislang nicht nachgewiesen werden.

Da bei einer Fahne die Hauptseite, auch als Vorder- oder Schauseite bezeichnet, vom Betrachter aus gesehen rechts von der Fahnenstange liegt, dürfte es in diesem Fall jene sein, die bei der Präsentation der Tischplatte zugewandt ist. Die mit dem Schachbrett wäre damit die Rückseite. Das kann Ortsbürgermeis­ter Jens Müller sich gut vorstellen. Denn auch Fahnen von anderen Vereinen tragen auf der Reserve genannten Seite ein Schachbrett als Identifikation mit der Schachtradition des Dorfes. Mit größter Vorsicht heben Andrea Knüpfer und Christine Supianek-Chassay den Stoff ein wenig an und gewähren einen Blick auf das Seidentuch, auf dem das Wort Gesangsverein über einem Zweig aus Eichenlaub gut zu erkennen ist. Während das Gründungsjahr 1886 im unteren Bereich ebenfalls deutlich gelesen werden könne, nehme man das Wort „Frohsinn“ aufgrund der Stoffschäden nur undeutlich wahr, verraten die Res­tauratorinnen.

Nach dem aktuellen Erkenntnisstand kann die Fahne restauriert und dann im zukünftigen Schachmuseum ausgestellt werden. Bei der Restaurierung werde größter Wert darauf gelegt, dass die Ursprünglichkeit erhalten bleibt bzw. der grundsätzliche Charakter durch eine Restaurierung nicht verändert wird.
Das entspricht auch den Vorstellungen des Schachvereins und des Ortsbürgermeisters. Nach dem Kostenrahmen gefragt, beziffern die Restauratorinnen diesen mit 6.000 bis 10.000 Euro. Die fachgerechte Restaurierung der historischen Fahne könnte durch Spenden gesichert werden. Dass während der Restaurationsphase die Beteiligten regelmäßig zu Besprechungen/Abstimmungen zusammen kommen sollten, waren sich alle Anwesenden schnell einig. Jens Müller regte an, eine Arbeitsgruppe zu bilden, in der Ortschaftsrat, Schachverein und Museum kooperativ zusammenarbeiten und weitere Entscheidungen treffen.

Für die Klärung noch offener Fragen wären zum Beispiel historische Fotos hilfreich, auf denen die Fahne präsentiert oder in einem Umzug mitgeführt wurde. Informationen zur Fahne selbst und auch zum Gesangsverein „Frohsinn“ (Fotos, Aufzeichnungen, Zeitungsartikel...) sind ebenfalls willkommen.

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