Tote-Hosen-Konzerttour: „… ein Gefühl wie auf einer großen Klassenfahrt“

Millionen verkaufte Tonträger und zahllose ausverkaufte Konzerte: Die Toten Hosen sind eine der erfolgreichsten deutschen Bands – und derzeit mit ihrem aktuellen Album „Laune der Natur“ unterwegs auf großer Open-Air-Tour. Im Rahmen dieser „Laune der Natour“ machen sie auch in Sachsen-Anhalt einen Stopp und gastieren am 31. August in Ferropolis/Gräfenhainichen. General-Anzeiger-Redakteurin Dr. Maria Lang traf im Vorfeld Frontmann Campino zum Interview.

Foto von Tote-Hosen-Frontmann Campino
Foto: Paul Ripke

Seit unserem letzten Gespräch im Mai 2017, als ihr in Magdeburg im Vorfeld der aktuellen Tour gespielt habt, ist eine Menge passiert: die Hallenkonzerte 2017, die Theatertour mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern, drei Konzerte in China Anfang des Jahres und jetzt die aktuelle Festival- und Open-Air-Tour. Hast du ein persönliches Highlight aus den zurückliegenden Monaten?
Das sind so viele verschiedene Sachen, die man eigentlich gar nicht vergleichen kann und die man nicht mehr hergeben möchte aus seinem Erinnerungsschatz. Wir sind wirklich froh, dass wir all das erleben konnten. Mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern unterwegs zu sein, ist für uns immer ein riesiges Abenteuer und ein Gefühl wie auf einer großen Klassenfahrt. Neue Länder zu entdecken, wie in diesem Fall China, das hat uns auch schon immer sehr viel bedeutet. Alles in allem eine tolle Zeit!

Ihr unterstützt schon seit geraumer Zeit verschiedene soziale Projekte und Institutionen bei ihrer Arbeit. So zum Beispiel Oxfam und Pro Asyl, die euch auch bei dieser Tour wieder begleiten. Wie kam das?
Zum einen glauben wir, dass dieses „Gießkannen-Prinzip“ für uns als Modell nicht richtig ist, also dass man allen immer nur ein bisschen hilft. Wir haben uns stattdessen entschieden, langfristig mit Partnern zusammenzuarbeiten, so dass man sich gegenseitig kennenlernen, auch mehr voneinander verlangen kann und sich daraus eine Verlässlichkeit entwickelt. Pro Asyl, Oxfam und Kein Bock auf Nazis sind in diesem Zusammenhang die drei Institutionen, an die wir uns am engsten gebunden haben. Bei Oxfam kommt dazu, dass wir deren Arbeit persönlich kennengelernt haben, als Breiti, Andi und ich vor vielen Jahren mal nach Afrika geflogen sind und dort gesehen haben, was die vor Ort alles leisten. Das hat uns so beeindruckt, dass Oxfam für uns als Partner ganz klar erste Wahl war. Tatsächlich schließt sich da außerdem für mich persönlich in gewisser Weise der Kreis, da meine Mutter Oxford-Studentin war und dort die Organisation ja ihren Anfang hatte.

Ihr habt neben euer Musik in den vergangenen Monaten auch durch andere Dinge Schlagzeilen gemacht. Da wäre zum einen deine Rede beim Echo und zum anderen der „Einbruch“ ins Freibad in Dresden. Hättet ihr gedacht, dass das derart für Furore sorgt?
Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Das in Dresden war mehr aus der Abteilung „grober Unfug“ – [Campino lacht] gleichzeitig aber auch eine bedeutende Pionierleistung, die wahrscheinlich das Badeleben in Dresden für immer verändert hat. Es gibt ja inzwischen auch Nachtbadeveranstaltungen und ähnliches – und da fühlt man sich natürlich geehrt, dass man Auslöser für diese Art neuer Freizügigkeit ist. Man macht sich da tatsächlich weniger Gedanken, ob das von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird oder nicht und wer sich aufregt oder nicht.

Das andere, die Echo-Rede, war eine deutlich ernstere Angelegenheit. Die Reaktion darauf sind dabei aber nur die eine Seite. Zuerst einmal muss man sich selbst fragen, ob man einen solchen Abend ohne Kommentar vorübergehen lassen kann. Oder man dazu eben etwas sagen muss, um mit sich selbst klarzukommen. Was dann daraus wird, kann man nicht absehen. Das war schon eine ganz schöne Welle ...

Du hast vor einigen Wochen einen Hörsturz erlitten. Was bedeutet das für dich? Was ziehst du daraus für Konsequenzen?
Manche behaupten ja, das wäre das Chlor im Wasser in Dresden gewesen. Deshalb werde ich jetzt versuchen, alle Bäder auf ökologische Reinigungsmittel umzustellen. Nein – im Ernst: Ich weiß es nicht. Natürlich macht man sich Gedanken. Die Gründe für einen Hörsturz können aber ganz vielfältig sein, das lässt sich nicht genau sagen. Ob es Lärm oder Stress oder beides ist – das weiß man nicht. Ich selbst habe für mich festgestellt, dass ich in den Monaten davor mit einer ordentlichen Schlagzahl unterwegs gewesen bin – das muss man auch erstmal alles nervlich verarbeiten: Der Aufstieg von Fortuna Düsseldorf, das schiefgegangene Champions-League-Finale – das sind alles Sachen, die mich unheimlich belasten [lacht]. Vielleicht findet man da über Yoga eine andere Entspanntheit zu den Dingen...

Das heißt, du hast als Konsequenz jetzt mit Yoga angefangen?
[Campino lacht] Nein, aber ich überlege es mir ...

Nach Ferropolis kommen nur noch eine Handvoll Konzerte, bevor im Oktober offiziell erst einmal Schluss mit der Tour ist. Gibt es schon Pläne für danach?
Für uns ist das tatsächlich nur ein sehr kurzzeitiges Ende. Nach dem Abschluss der Tour hier sind wir im November noch in Argentinien und im Dezember spielen wir in Österreich noch ein Ski-Opening. Das haben wir schon einmal gemacht und fanden das damals sehr lustig. Danach werden wir uns sicher erst einmal in den Proberaum zurückziehen. Es gibt schon ein paar Ansätze, wie es dann weitergehen könnte, aber das ist alles noch nicht spruchreif. Das einzige, was ich zugeben darf, ist, dass wir nicht in die Ferien fahren. Es ist also nicht so, dass wir uns ein Jahr lang verkrümeln und besinnlich werden. Ganz im Gegenteil: wir sind geradezu voller Vorfreude, wieder für uns alleine Musik zu machen und zu sehen, was dabei rauskommt.

Bandfoto von "Die Toten Hosen"
Foto: Paul Ripke

Zum Schluss: Laut einer aktuellen Umfrage von „Bild am Sonntag“ seid ihr die beliebteste Rockband Deutschlands. Was bedeutet das für euch? Ehrt euch das? Oder ist das peinlich?
Wieso soll uns das peinlich sein? Wir machen uns darüber ehrlich gesagt keine Gedanken. Wenn wir in solchen Statistiken nicht auftauchen würden, würde sich unser Leben auch nicht ändern – aber wenn eine Mehrheit der Menschen sagt, „wir finden die Toten Hosen toll“, warum soll uns das stören? Das ist doch eine gute Sache. Allerdings wurde ich in den 2000ern auch mehrfach unter die „Sexiest German Men“ gewählt – und das hat mein Leben leider auch überhaupt nicht verändert [Campino muss laut lachen]. Ich habe damals gedacht: „Jetzt wird alles gut!“, aber nichts ist passiert. Ich denke, ähnlich muss man auch mit dieser Information umgehen. Man macht schließlich nicht Musik, um der beliebteste Deutsche zu werden.