06.09.2010



Beinahe hätte ich letzten Donnerstag das beschauliche Liedchen „Ach Luise, kein Mädchen ist wie diese“ angestimmt. Mir war so, als Denkmalschuster der Stadt ein Stück Geschichte zurück gab. Nun steht Luise dort, wo sie früher schon stand, in vornehmer Schönheit mit einem Strauss Blümchen im Arm. Immer bereit, sich für eine Rose um Magdeburgs Zukunft auf die Knie zu werfen. Grade heute können wir mildtätige Fürsprecher gut gebrauchen. Napoleon wollte nicht. Vielleicht lag es an Friedrich Wilhelm, ihrem königlichen Gatten.

Zehn Kinder hat sie ihm geboren. Kein Wunder, dass der Mann wenig Zeit fürs regieren fand, alles drunter und drüber ging, und der grosse Korse leichtes Spiel mit Preussen hatte. Schade, dass sie schon so früh starb. Den Triumph nach der Völkerschlacht bei Leipzig hätte ich ihr gegönnt. 85 000 Euro haben die Bürger Magdeburgs für Luise zusammen gespart. Na bitte, es geht doch und OB Trümper hat keinen Pfennig dazu gezahlt.. Das der Geschwister Scholl Park weiter so heisst, zeugt von kluger Einsicht, oder?.

Die Magdeburger denken eben weiter, als man ihnen anderswo zutraut. Bürgerengagement hierzulande kann sich sehen lassen. Schliesslich brauchen wir uns nicht zu verstecken. Wer kann schon einen 800 jährige Dom vorzeigen, den wir über alle Zeiten gehegt und gepflegt haben? Die Jüngsten haben neulich an einem Kathedralentag Besitz von ihm genommen. Albertus Magnus, der Universalgelehrte seiner Zeit, begegnet uns als Bronzeplastik neuerdings vor der St. Petri Kirche, posiert als Patron der Wissenschaften. Er soll ja Magdeburg besucht haben. Bürgerwille hat dieses Kunstwerk des Magdeburgers Heinrich Apel aus den Tiefen des Museumskeller wieder ans Tageslicht befördert. Da kann es doch nicht mehr dauern bis auch die Gobelins wieder im Kloster hängen, fernab von sinnloser Diskussion über Akustik und so. Ja und nach nunmehr 20 Jahren stellt die Schar der einheimischen bildenden Künstler erstmals wieder aus. Altbekannte und neue Namen können sich mit ihren Arbeiten sehen lassen. Vorausgesetzt man lässt Qualität gelten und setzt die ideologisch beschlagene Brille ab. So nebenbei. Seit kurzem schreibt sich das „ Theater Magdeburg“ wieder mit grossen Buchstaben. Für mich ist das nicht nur eine Frage der Rechtschreibung.

Das Puppentheater feierte umjubelte internationale Festtage. Mit Verlaub, die hatten wir zu DDR Zeiten schon. Vielleicht geografisch nicht so weit gefächert, aber Magdeburg war Puppenmekka seit seiner städtischen Gründung vor 51 Jahren.

Der Zoo ist in aller Munde. Er wird grade erweitert, bekommt eine neue repräsentative Eingangszone, ist beliebter Treffpunkt von Jung und Alt. Trümmerberge türmten sich noch zuhauf, da beschloss die Stadt die Errichtung eines Tierparks. Stattlich hat er sich entwickelt. Gottseidank noch rechtzeitig werden die Gewächshäuser vor dem Verfall gerettet. Die beliebten Farnhausmatineen können fröhliche Urständ feiern. Von den 85 Jubiläumsjahren .Abtshof-Likör habe ich reichlich 60 Jährchen mit verkostet .

Was ich sagen will: Meine Identität mit dieser Stadt hat tiefe Wurzeln. Viel Wasser ist darüber die Elbe entlang geflossen. Luise hat Vergessenszeiten verwunden, strahlend schön. Es ist eben alles eine Frage des Gedächtnisses.